25. November: Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) benennt Gewalt als eines der größten Gesundheitsrisiken für Frauen. Viele Frauen, die von Gewalt betroffen sind, leiden ihr Leben lang unter den Folgen. Sie leiden unter Depressionen, vereinsamen und verarmen. Gesellschaftlich verankerte Missstände bedingen die Ohnmacht und Hilflosigkeit, die viele Frauen nach Gewalterfahrungen erfahren. Gesellschaftliche Strukturen lassen zu, dass weltweit rund 35 Prozent der Frauen nach ihrem 15. Lebensjahr irgendwann Opfer von körperlicher und/oder sexualisierter Gewalt werden. Und auch in Deutschland sind die Zahlen erschreckend: 40% aller Frauen in Deutschland haben laut einer Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexualisierte Gewalt erlebt. Durchschnittlich jeden dritten Tag bringt ein Mann in Deutschland seine aktuelle oder ehemalige Partnerin um.

Bereits im Jahr 1981 riefen Frauenorganisationen aus Lateinamerika und der Karibik den 25. November zum Tag gegen Gewalt an Frauen aus. Sie erinnerten damit an die Ermordung von drei der vier Schwestern Mirabal, Patria, Minerva und Maria Teresa, die am 25. November 1960 in der Dominikanischen Republik vom militärischen Geheimdienst nach monatelanger Folter und Vergewaltigung ermordet wurden. Einzig Dédè überlebte und führte den Widerstand der Schwestern gegen die Trujillo-Diktatur fort. Die Schwestern wurden zu einem Vorbild und Symbol für Frauen weltweit in ihrem Kampf gegen Gewalt, gegen Missstände und Unrecht.

„Auch nach über 40 Jahren Beratungsarbeit im FRAUEN NOTRUF ist sexualisierte Gewalt in Hamburg nach wie vor ein alltägliches Problem. Frauen und Mädchen weltweit und auch bei uns in Hamburg werden gedemütigt, verletzt und vergewaltigt“, so Sibylle Ruschmeier vom FRAUEN NOTRUF Hamburg. Im Jahr 2020 stiegen die Zahlen der Polizeilich bekannten Fälle von Vergewaltigung, Nötigungen und sexuellen Übergriffen in besonders schweren Fällen in Hamburg um 35,9% im Vergleich zum Vorjahr. „Es sind Zahlen, die erschrecken. Und die Dunkelziffern sind bedeutend höher“, ergänzt Sibylle Ruschmeier.

Der 25. November ist ein Tag, der auf Gewalt an Frauen aufmerksam machen soll. Ein Tag, der das gravierende Ausmaß und entstehende Leid deutlich machen soll. Und ein Tag, der gesellschaftliche Strukturen aufdecken soll, die diese Gewalt zulassen. Bereits im Jahr 2018 ist die sogenannte Istanbul-Konvention in Deutschland in Kraft getreten – ein „Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“. „In der Praxis erleben wir, das es nach wie vor viele Lücken bei diesem Schutz und bei der Unterstützung gibt. Beratungsangebote werden nicht ausreichend finanziert, oft fehlt es an Anerkennung für das Leid, dass Frauen durch ein Vergewaltigungstrauma erfahren und viel zu oft wird ihnen nicht geglaubt oder eine Mitschuld gegeben. Es ist noch ein langer Weg und wir werden weiter kämpfen gegen sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen“, so Sibylle Ruschmeier.

Am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen geht der FRAUEN NOTRUF gemeinsam mit anderen Verbänden, Organisationen und Protestierenden auf die Straße.